Ein Blick in die Werkstätten der Kölner Dombauhütte

Ein Blick hinter die Kulissen
Die Werkstätten der Kölner Dombauhütte zeigt: Der Dom ist kein starres Denkmal, sondern ein lebendiges Bauwerk. Wer Köln besucht, sollte sich auch hinter die Kulissen wagen – und den Menschen begegnen, die ihn bewahren.
Hier schlägt das Herz der Bauhütte. Steinmetze, Glasmaler, Restauratoren, Metall- und Holzexperten sowie Gerüstbauer arbeiten Hand in Hand. Tradition trifft auf Moderne – von mittelalterlichen Techniken bis zu 3D-Scans.
Besonders berührt hat mich die Leidenschaft, mit der die Handwerker über ihre Arbeit sprechen – sie betrachten den Dom fast wie ein Familienmitglied.
Mehr über die Geschichte der Kölner Dombauhütte erfahren Sie hier.
Was machen die Steinmetze und Steintechniker?
Die größte Gruppe der Gewerke stellen die Steinmetze. Sie stellen auch den Hüttenmeister, also den Werksleiter und seinen Stellvertreter. Zusammen mit dem Dombaumeister koordiniert er die Baumaßnahmen und erledigt diverse bürokratische Arbeiten.
Die Steinmetze fertigen aus den Sandsteinquadern normalerweise die architektonischen Bauelemente. Dazu gehören beispielsweise aufgehendes Mauerwerk, Maßwerke für Fenster, Brüstungen und Wandflächen, Wimperge (Giebel über Fenstern und Portalen), Fialen (Türmchen), Kreuzblumen und Strebebogenelemente.
Ihre Vorlagen für Schablonen und Aufmaße fertigen die Steintechniker, ebenfalls gelernte Steinmetze.
Steinbildhauer
Steinbildhauer kümmern sich um filigrane Details – vom Wasserspeier bis zum Heiligenrelief. Sie schaffen neue Figuren nach historischen Vorbildern. Außerdem stellen sie die Gipsmodelle als Vorlagen für Ornamente für die Steinmetze her. Dazu benutzen sie sogenannte Punktiermaschinen. Auch sie sind spezialisierte Steinmetze.
Werkstätten der Kölner Dombauhütte: Versetzsteinmetzen
Diese Gruppe von Steinmetzen haben eine besondere Rolle hre Arbeit verbindet handwerkliche Präzision mit logistischer Finesse: Sie bauen Steinwerkstücke aus, wenn sie beschädigt oder verwittert sind, und setzen neue ein – oder ergänzen Naturstein-Vierungen, wenn Lücken entstehen.
Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit sind Fugen: Alte Mörtel- oder Bleifugen werden entfernt und erneuert, damit Wasser und Luft nicht weiter in das Mauerwerk eindringen und Schäden verschlimmern. Bei besonders feinen Bauteilen, wie Maßwerkfenstern, Wimpergen oder Fialen, fügen sie die Fugen mit Blei zusammen – eine historische Technik, die heute mit modernen Materialien kombiniert wird.
Die schweren Steine und Figuren wiegen oft so viel und sind so groß, dass sie in Teilen gefertigt werden. Dementsprechend muss man sie einzeln kranen und verbauen. Auch Dübel, Anker und Halteelemente, die über Jahrhunderte korrodiert oder durch Metallermüdung beschädigt sind, gehören zu ihren Aufgaben.
Viele alten Verbindungen aus Eisen oder Messing werden heute durch rostfreie Edelstahl-Komponenten ersetzt, um langfristige Stabilität zu gewährleisten.
Die Versetzarbeiten finden häufig unter schwierigen Bedingungen statt: große Höhen, enge Raumverhältnisse, unebene Flächen, wechselhafte Witterung. Es braucht also nicht nur handwerkliches Können, sondern auch Erfahrung, Mut und Sicherheitsbewusstsein. Das wäre nichts für mich!
Wofür ist die Glaswerkstatt zuständig?
Die Fensterfläche des Kölner Doms beträgt 10.000 qm, davon stammen rund 1.500 qm aus dem Mittelalter und sind im Chor verbaut. Die restlichen stammen aus dem 19. Jahrhundert oder der Nachkriegszeit.
Nur das Richterfenster an der Südseite ist modern. Somit ist die Glaserhaltung ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Kölner Dombauhütte. Die Glaswerkstatt ist ein Ort, an dem Kunst, Geschichte und Technik zusammentreffen. Hier bewahrt man nicht nur Glasmalereien – hier bewahrt man Geschichten.
Die Mitarbeiterinnen – Glasmaler, Kunstglaser und Restauratorinnen – sorgen dafür, dass historische Fenster, manche über 700 Jahre alt, auch in Zukunft leuchten. Sie befreien meist nur mit einem Pinsel das Glas vorsichtig von Schmutz, Staub und Ruß.
Außerdem entfernen sie frühere Restaurierungsmaterialien, kleben Sprünge und Risse, stabilisieren Bleinetze und ersetzen beschädigte Randbleie. Dabei kommt häufig Mikroskoparbeit zum Einsatz. Jede Scheibe wird ausführlich untersucht und dokumentiert.
Wenn Fenster durch Krieg, Feuer oder Witterung zerstört oder beschädigt sind, wird rekonstruiert – nach alten Entwürfen, Skizzen und Vorlagen aus dem Archiv. Glasstücke werden zugeschnitten, bemalt, gebrannt und zu kunstvollen Bildzyklen zusammengesetzt. Oder die Kunstglaser erstellen neue Fenster im entsprechenden Stil.
Die Glaswerkstatt freut sich immer über großzügige Spenden und gestalten die Fenster entsprechend der Stifter.
Besonders eindrücklich war die Wiederherstellung der vier Glasfenster aus Notre-Dame: Die Scheiben wurden erst in einer Dekontaminationskammer gereinigt, dann bearbeitet und schließlich wieder eingebaut. Nach diesem Prozess konnten sie, neu verkittet und gestützt, wieder Licht in die Kirche bringen.
In der Glaswerkstatt entstehen nicht nur restaurierte Originale, sondern auch detailgetreue Nachfertigungen. Anhand dieser Serie wird der gesamte Entstehungsprozess eines Fensters sichtbar – von der Zeichnung bis zum fertigen Kunstwerk.
Metallarbeiter, Holzspezialisten und Restauratoren – Handwerk im Verborgenen
Neben Steinmetzen und Glaswerkstatt sind Metall- und Holzexperten sowie Restaurator*innen unverzichtbare Pfeiler der Dombauhütte. Ohne sie würde viel von dem, was man sieht, gar nicht möglich sein – oder schnell verfallen.
Die Metallarbeiter schmieden und fertigen Halterungen, Klammern, Eisenanker oder äußere Bleidächer, wie etwa die über 12 000 m² Dachfläche unter Bleiplatten. Sie arbeiten mit historischen Metallen wie Blei und Eisen, aber auch modernem Edelstahl – besonders dort, wo Haltbarkeit und Widerstandskraft gefragt sind.
Ebenso reparieren sie historische Gitter, Türbeschläge, und sie stellen Werkzeuge her, die Steinmetzen und Restauratoren täglich benötigen.
Die Holzfachleute – Schreiner und Zimmerleute – sind zuständig für Türen, Bänke, Podeste, Rahmen, Mobiliar und alles, was innen aus Holz besteht. Dazu kommen Konstruktionen im Außenbereich, beispielsweise Fensterrahmen und Treppenhäuser.
In der Schreinerei werden auch spezielle Werkzeuge und Transportkisten angefertigt. Selbst die Materialschränke stammen aus der eigenen Werkstatt. Dort findet man Lagerholz und alte Holzteile wie Türen oder Möbel, die die Schreiner als Vorlagen oder Ersatzteile nutzen.
Ihre Arbeit ist oft weniger sichtbar, aber ohne sie verkümmert Ausstattung und Innenraum sehr schnell.
Die Restauratorinnen und Restauratoren schließlich sind die Hüter*innen der Substanz. Ihre Aufgaben sind vielschichtig: Kartieren und Dokumentieren, Schadensanalyse, Reinigung und Konservierung, das Schließen von Rissen oder Schäden, behutsame Ergänzungen, und das Sichern originaler Oberflächen. Sie arbeiten eng mit den Metall- und Holzspezialisten zusammen, damit Restaurierungen nicht nur schön aussehen, sondern langfristig Bestand haben.
Gerüstbauer: Die Herren der Lüfte
Ohne die Gerüstbauer könnte am Kölner Dom kaum ein Stein versetzt, kein Fenster restauriert und keine Fassade gesichert werden. Sie schaffen die Arbeitsgrundlage für alle anderen Gewerke der Dombauhütte.
Ihre Konstruktionen reichen oft in schwindelerregende Höhen, müssen Wind und Wetter trotzen und gleichzeitig absolute Sicherheit garantieren. Dabei geht es nicht nur um den Bau der Gerüste, sondern auch um permanente Anpassung: Sobald ein Abschnitt abgeschlossen ist, wird das Gerüst umgebaut, erweitert oder an eine neue Stelle versetzt.

Es ist ein laufender Prozess, der höchste Präzision, Erfahrung und Verantwortungsbewusstsein erfordert. Für mich sind die Gerüstbauer die stillen Helden am Dom. Sie arbeiten oft unsichtbar hinter den Kulissen – und doch wäre ohne sie keine Instandhaltung und keine Restaurierung möglich. Ihnen gilt meine ganz besondere Hochachtung.
Was macht eigentlich der Dombaumeister?
Der Dombaumeister ist der Kopf und Vermittler. Planung, Organisation, Vermittlung zwischen Behörden und Handwerk – alles läuft bei ihm zusammen.
Er trägt die Gesamtverantwortung dafür, dass der Dom nicht nur heute, sondern auch für die kommenden Generationen bestehen bleibt. Seine Aufgaben reichen von der Planung großer Restaurierungsprojekte über die Priorisierung von Schäden bis hin zur Budget- bzw. Etatverwaltung.
Er weiß, mit welchen Materialien gearbeitet werden muss, kennt sich aus mit Steinarten, Glas, historischen Techniken – aber auch mit modernen Methoden. Gleichzeitig ist der Dombaumeister Vermittler und Kommunikator: Er spricht mit Handwerkern und Restauratoren ebenso wie mit Denkmalbehörden, Stadtverwaltung und Besuchern. Und er erklärt, warum Gerüste nötig sind, warum Figuren ersetzt werden oder wie man Verwitterung aufhalten kann.
In Köln ist Peter Füssenich seit 2016 in diesem Amt. Sein Werdegang – Architekturstudium, Aufbau in Denkmalpflege, praktische Restaurierungsarbeit – zeigt, wie vielfältig die Anforderungen sind. Es ist ein Amt, das technische Kompetenz, gestalterisches Gespür und organisatorisches Talent verbindet – und bei dem jeder Tag neue Herausforderungen bringt.
Die erste Meister der Werkstätten der Kölner Dombauhütte
Der erste Dombaumeister war Meister Gerhard. Er hat den Dom entworfen. Lange Zeit galt er als Schöpfer des berühmten mittelalterlichen Dombaumeister-Plan, den einheitlichen Gesamtplan. Doch dies gilt heutzutage als widerlegt. Früher plante man die Kathedralen nur in Bauabschnitten.
Gerade dieser direkte Kontakt zum Handwerk begeistert – man spürt, dass der Dom kein „fertiges Denkmal“ ist, sondern ein lebendiges Bauwerk.
Fazit: Handwerk für die Ewigkeit
Die Werkstätten der Kölner Dombauhütte zeigen eindrucksvoll, wie traditionelles Handwerk und moderne Technik Hand in Hand gehen – Tag für Tag, damit der Dom uns bleibt.
Lust bekommen, mehr zu entdecken?
Wenn Sie Lust haben, den Dom mit anderen Augen zu sehen: In meinen Stadtführungen erzähle ich Geschichten über den Bau, die Legenden und die Menschen, die dieses Bauwerk lebendig halten. Gerne stelle ich auch individuelle Führungen zusammen.
Für Fragen zu Führungen für Kinder und Erwachsene oder Buchungen melden Sie sich per E-Mail unter info@entdecke-deine-stadt.de.