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Stadtführungen in Köln für neugiere Kinder und Erwachsene

Alles über Karneval: Ursprung, Brauchtum

Schon die alten Römer feierten schon Karneval hier im Rheinland.

Die Colonia Claudia Ara Agrippinensium, als die Kolonie zu Ehren des Claudius, war die Hauptstadt der römischen Provinz Niedergermania. Durch ihren Rang als Stadt durften die römischen Kölner Feste feiern wie in Rom. Als größte Stadt nördlich der Alpen blieben öffentliche Feste und Feiertage nicht verborgen. Und so lockte der Karneval viele Menschen in die Stadt. Nicht viel anders als heutzutage, außer vielleicht die Anzahl.

 

 

Die Menschen, die nach Köln kamen, waren nicht nur römische Soldaten, Handwerker oder Kaufleute. Nein, die Stadt entwickelte sich als Schmelztiegel mit kulturellen Einflüssen aus dem hohen Norden, dem fernen Osten oder dem tiefsten Süden. All diese Kulturen mit ihren unterschiedlichen Göttern vermischten sich hier am Rhein.

 

Fest zu Ehren von Saturn – Saturnalien

Eines dieser Festtage, die hier begangen wurde, war die Freudenfeier zu Ehren des Gotts Saturn, als es in Zeit seiner Herrschaft noch keine Sklaven gab. Saturnalien genannt. Saturn ist ein strenger, disziplinierter Gott. Er verlangt Ordnung, Struktur und Einhaltung der Regeln. Saturnisch bedeutet Fleiß, Arbeit, Verantwortung und Einhaltung der Autorität.

 

 

Die Bewohner feierten drei Tage lang, vom 17. – 19. Dezember (meistens dehnte es sich sogar eine ganze Woche aus). Vermutlich geht dieses Datum auf die Einweihung des Saturntempels 497 v. Chr. in Rom zurück.

 

 

Doch an Karneval lebten sie alles ad adsurdum. Während dieser Tage ruhte die Arbeit. Und nichts Wichtiges war erlaubt. Die Herren verkleideten sich als Sklaven und dienten ihren Untertanen. Gemeinsam überwandten sie die gesellschaftlichen Hürden. Sie tranken, lärmten, scherzten, tanzten, spielten, sagen – Herrschaft, Bauern und Sklaven.

 

 

Die Welt stand Kopf. Alles war ver-rückt und verkehrt.

Umzug mit dem Carrus navalis

Wie überliefert, veranstalteten die Römer auch einen Umzug mit einem bunten Schiffskarren, dem carrus navalis, durch ihre Stadt. Von diesem leitet sich vermutlich das Wort Karneval ab. Auf dem Schiffskarren waren die Göttinnen Isis und Nerthus zu sehen, die von verkleideten und lärmenden Menschen sowie von Musik begleitet wurden. Angeblich wollte man auf diese Weise den Tod verbannen, den die Göttin Isis symbolisierte.

Karneval: Carne vale = Fleisch lebe wohl!

Als Kaiser Konstantin im 4. Jahrhundert das Christentum zur Staatsreligion ernannte, vermischten sich auch heidnische und christliche Bräuche miteinander. Die Germanen huldigten im Frühjahr (Wintersonnenwende) ihren Göttern und vertrieben die böswilligen Winterdämonen mit Lärm und Feuer.

 

 

Da sich die Christen sich damit nicht identifizieren konnte, ordnete sie den Karneval der Liturgie des Kirchenjahres unter. Indem sie den Karneval vor den Beginn der Fastenzeit legten, bekam er einen tieferen Sinn. Hierbei wurde vor allem der Fastabend als Abend vor der großen Fastenzeit sehr wörtlich genommen. So läuteten sie die vorösterliche Fastenzeit mit der Fastnacht oder dem Karneval (carne vale = Fleisch lebe wohl!) ein. Karneval und Kirche – für immer verbunden.

Christliche Fastnacht im 18. Jahrhundert

Noch heute pflegen wir die alten Bräuche wie das Lärmen und Tragen von Masken in der christlichen Fastnacht, die im Mittelalter verdrängt werden sollten. Doch obwohl Köln Bischofssitz war und nicht alle Bräuche befürwortete, feierten auch religiöse Bruderschaften im Mittelalter die Fastnacht. Die Klostergeistlichkeit führte ab dem 18. Jahrhundert am Donnerstag vor Karneval auch den Anfang des Fastenabends ein.

 

 

Während des 18. Jahrhunderts kam es nach italienischem Vorbild zu einer Art Korso in Köln, bei dem sich Komödianten, Schausteller und Gaukler in der Stadt versammelten. Zudem fanden im 18. Jahrhundert in Anlehnung an das jährliche Fest von Kurfürst Clemens August mit großem Festmahl und Maskenball die Redouten als vornehme Fastnachtvergnügen im Kölner Gürzenich statt.

Kölner Karneval unter französischer Besatzung

Als Köln 1794 unter französische Herrschaft geriet, verboten die Besatzer den Karneval. Doch die Kölner verlagerten ihre Festlichkeiten vielmehr von der Straße in die Wirtshäuser. Als sich die Franzosen von der Harmlosigkeit des Festes überzeugt hatten, hoben sie das Karnevalsverbot 1801 wieder auf.

 

 

Zu dieser Zeit vermehrten sich die Charaktermasken im Karneval und die Karnevalisten  nahmen verstärkt das Zeitgeschehen aufs Korn. Zudem veranstalteten sie kleine Züge durch die Stadt. Zum Ende der Fastnachttage feierten die Jecken die Zeremonie des „Begrabens“, eine Art Trauerzug mit Trompetenbegleitung. Heute ist das die Nubbelverbrennung.

Festordnendes Komitée, Prinz Karneval und die Preußen

Als 1815 die Preußen nach Köln kamen, wurde Köln wieder zu einer deutschen Stadt und von den Rheinländern annektiert. Obwohl der Karneval immer mehr verrohte, dulteten die Preußen zunächst das bunte Treiben.

 

 

Um einem erneuten Verbot aus dem Weg zu gehen, reformierten engagierte Kölner den Karneval im romantischen Sinne. Das karnevalistische Geschehen sollte sich um den „Held Karneval“, der heutige Prinz, drehen.

 

 

Dies war die Geburtsstunde des Festordnenden Komitées, dessen Gründer dem reichsstädtischen Köln und dem Kaiser verbunden waren. Köln feierte 1823 seinen ersten Rosenmontagszug unter dem Motto „Thronbesteigung des Helden Carneval“ mit den Roten Funken, den einstigen Stadtsoldaten, entstand eine Karnevalsgesellschaft nach der anderen. 1860 zieht der erste „Geisterzug“ am Abend des Karnevalssamstag durch Köln.

Neuerungen des 20. Jahrhunderts

Während 1902 die Ehrengarde als Begleittruppe von Bauer und Jungfrau entsteht, bekommt der Prinz Karneval 1906 seine Prinzengarde und der Kölner Karneval wird im Laufe der Zeit auch über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.

 

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